Frau Dr. Cornelia Schmidt nahm im Februar 2017 an einer Fortbildung zum Thema zahnärztliche Pharmakotherapie teil. Die Frage nach dem Medikamentenplan ist sehr wichtig. Frau Dr. Schmidt erläutert hier den Sinn dieser „zahnärztlichen Neugier“ …

Pharmakotherapie – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Dr. Schmidt:

Auch in unserer zahnärztlichen Praxis müssen wir feststellen, dass die Anzahl der Patienten, die dauerhaft medikamentös behandelt werden, steigt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Menschen in der heutigen Zeit ein viel höheres Lebensalter erreichen. Mit dem Einsatz von speziell für diese Patientengruppe entwickelten Medikamenten können heute immer mehr altersbedingte Krankheiten erfolgreich behandelt werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der von „Zivilisationskrankheiten“ betroffenen Menschen stetig an, die ebenfalls durch moderne Medikamente therapiert werden. Auf diese Weise werden wir Zahnärzte zu Ko-Therapeuten, da wir neben den Hausärzten und/oder anderen Fachärzten behandeln.

Warum interessieren Sie sich als Zahnarzt so genau dafür, ob und mit welchen Medikamenten die Patienten behandelt werden?

Dr. Schmidt:

Denken Sie nur an die Betäubung vor dem Bohren, an Entzündungsprozesse im Mundraum oder auch Eingriffe wie z.B. dem Ziehen eines Zahnes, das Einsetzen von Implantaten, Parodontosebehandlungen und… und… und. In der zahnärztlichen Therapie ist der Einsatz von Heil- und Hilfsmitteln sowie Medikamenten ebenfalls ganz selbstverständlich und z.T. unerlässlich.

Wenn Sie jetzt bedenken, dass in den Medikamenten nicht nur ein – sondern häufig mehrere Wirkstoffe stecken, kann dies schon zu einem sehr umfangreichen Wirkstoffcocktail führen. Da ist jedes zusätzliche Medikament von Bedeutung!

Kann das für den Patienten gefährlich werden?

Dr. Schmidt:

Nun … Jedem Patienten sind die Begriffe „Neben- und Wechselwirkung von Medikamenten“ geläufig. Und hier ist auch der Grund für die Frage nach der Einnahme von Medikamenten zu sehen.

Zum Einen bieten einige Krankheitsbilder und deren Medikation zusätzliches Gefährdungspotenzial bei zahnärztlichen Eingriffen (z.B. Blutverdünner) und zum Anderen können sich die unterschiedlichen Medikamente gegenseitig in ihrer Wirkung behindern und/oder verstärken. In Kombination können zudem unerwünschte Reaktionen ausgelöst werden, die bei jedem Medikament einzeln für sich genommen, ausgeschlossen sind.

Um Komplikationen während der zahnärztlichen Therapie zu vermeiden und besser einschätzen zu können, ist es für den Zahnarzt absolut notwendig, Kenntnis von allen vor kurzem abgeschlossenen und noch andauernden Medikamenteneinnahmen der einzelnen Patienten zu haben. Auch die Angabe von frei verkäuflichen Mitteln ist hier wichtig!

Wie versuchen Sie diese Risiken auszuschließen?

Dr. Schmidt:

Hier sind wir auf die aktive Mitwirkung unserer Patienten angewiesen.

Jeder neue Patient füllt in unserer Praxis vor der Behandlung einen Anamnesebogen aus. Auf diesem Bogen werden von uns u.a. chronische und akute Erkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten abgefragt. Im persönlichen Gespräch ergänzen wir notwendige weitere Informationen.

Der Anamnesebogen wird unseren Patienten in halbjährlichen Abständen wieder vorgelegt, um relevante Änderungen zu erfassen. Außerdem bitten wir die Patienten, uns zu informieren, sofern sich Änderungen bei ihren Medikamenteneinnahmen ergeben haben.

Wie reagieren die Patienten auf die Fragen?

Dr. Schmidt:

Natürlich ist der ein oder andere Patient auch einmal „genervt“ von der Fragerei. Ich kann hier nur in aller Deutlichkeit vermitteln, unsere „Neugier“ dient der Sicherheit und Gesundheit unserer Patienten und soll eine erfolgreiche, zahnärztliche Behandlung ermöglichen.

Ein kleiner Tipp noch am Rande: Seit 2017 müssen die Hausärzte für jeden Patienten einen Medikamentenplan erstellen. Dieser kann bei anderen Fachärzten vorgelegt werden. So wird dieser wichtige Informationsaustausch für Patienten und Ärzte sehr viel einfacher und sicherer für die Patienten. Wenn Sie also noch keinen Medikamentenplan bekommen haben, fragen Sie bitte bei Ihrem Hausarzt nach!